Gesundheit. Überall gleich gut.

Die Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag möchte sich mit den Thüringerinnen und Thüringern zusammen über die  Herausforderungen und Ideen rund um die Notwendigkeiten für eine flächendeckende medizinische und pflegerische Grundversorgung auf dem  Land und in der Stadt austauschen. Dabei sollen folgende Fragen zur Diskussion stehen: Vor welchen Herausforderungen steht die Gesundheitsversorgung in Thüringen? Was können konkrete Lösungswege für Stadt und Land sein?
Dazu lädt die Fraktion am 23. November im Rahmen ihrer thematischen und öffentlichen Sitzung ins Volkshaus in Sömmerda ein. Heike Werner, Thüringens Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, wird einführend zum Thema zur Krankenhausstruktur und -planung referieren. Bei der anschließenden Diskussionsrunde wird Uta Maercker, Geschäftsführerin der AGETHUR, über den Werkstattprozess „ZUKUNFT. GESUNDHEIT. THÜRINGEN. 2030“ berichten. Ebenso begrüßt die Fraktion dazu Christopher Kaufmann, der Leiter des Projekts „Landengel“ im Unstrut-Hainich-Kreis ist.

Im Vorfeld der Veranstaltung sprachen Anja Müller, Sprecherin für Verfassung, Demokratie und Petition der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und der gesundheitspolitische Sprecher Ralf Plötner zur Thematik. Abgeordneter Plötner betonte dabei die besondere Rolle der von der Landesregierung geförderten Programme „AGATHE“ und „VERA“. „VERA“, oder „TELE-VERA“ ist das digitale Projekt für Versorgungsmöglichkeiten im Freistaat. Beschäftigte von Hausarztpraxen kämen hier direkt zu den Menschen nach Hause und verfügten über digitale Möglichkeiten wie zum Beispiel Videotelefonie zu Hausarztpraxen, erklärt Plötner. Es gehe darum, Dinge, die nicht zwingend von Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden müssen, von Fachpersonal durchführen zu lassen. Das Programm rühre daher, dass Arztpraxen, vor allem auf dem Land, immer mehr Mangelware werden. So müssten die Menschen keine lange Wege in Kauf nehmen und seien trotzdem medizinisch gut versorgt.
„Bei „AGATHE“ geht es darum, dass wir alle gemeinsam altern. Dem Problem der Vereinsamung und des geringen sozialen Netzwerkes im Alter soll damit begegnet werden“, so der Abgeordnete weiter. Die Malteser (als freie Träger) begleiten das Projekt und besuchen die Menschen ebenso an ihren Wohnorten. „Ich höre immer wieder, wie gut dieses Programm angenommen wird. Die Leute haben sich regelrecht danach gesehnt“, berichtet Plötner im Gespräch. Hier werde ganz konkret Hilfe angeboten, wie man medizinische Versorgung unkompliziert bekommt und welche Hilfestellungen gerade im Alter und sozialen Transferbereich gibt. „Gerade Alltagsprobleme der Menschen spielen gerade in diesen Zeiten eine immer größere Rolle. Es ist deshalb so wichtig, dass es jemanden gibt, der zuhört und dann auch konkret helfen kann“.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der auch für das Thema der medizinischen und pflegerischen Versorgung eine große Rolle spielt, ist der öffentliche Personennahverkehr. DIE LINKE im Thüringer Landtag will mit „Thüringen. Überall gleich gut“ gleichwertige Lebensverhältnisse für alle Menschen in Thüringen schaffen. Das steht und fällt jedoch auch mit den infrastrukturellen Anbindungen der Lebensorte. Die Versorgungsstruktur im Allgemeinen ordnet der gesundheitspolitische Sprecher zunächst als gut ein, es sei jedoch immer wieder die Frage, wie die Menschen zu diesen gelangen. Hier müsse ganzheitlicher gedacht werden, die Herausforderungen der Mobilität immer wieder aufgerufen sowie die Chancen der Digitalisierung genutzt werden.
Anja Müller, die selbst ihren Wohnsitz im ländlichen Raum hat, brachte im gemeinsamen Gespräch auch das Stichwort der Facharztquote an. Medizinische Versorgungszentren, in denen ein Angestelltenverhältnis herrscht und eine gute medizinische Ausstattung vorhanden ist, scheinen immer mehr Ärztinnen und Ärzte zu locken. Denn eine eigene Praxis zu betreiben ist oft mit einem hohen finanziellen Aufwand und Risiko verbunden. Gerade deshalb wurde hier noch einmal von der Landesregierung versucht, die Niederlassungsförderung zu verbessern. Ab 1. Januar 2023 greift diese und fördert damit nun auch die zahnärztliche Versorgung und auch die Apotheken. Denn auch dort gibt es weniger Bereitschaft, sich im ländlichen Raum niederzulassen. Dies soll auch über finanzielle Anreize versucht werden zu verbessern, erklärt Ralf Plötner. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen steht ebenso vor Herausforderungen und versucht, die Menschen dazu zu bewegen, sich auch im ländlichen Raum anzusiedeln. Hier gebe es aber nichtsdestotrotz nach wie vor große Herausforderungen zu meistern.
„Aber wenn Menschen aktiviert werden, sich mehr bewegen, sozialen Austausch haben und vielleicht auch eher mal medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, dann verzögert man tatsächlich ja auch Pflegebedarf. Das ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Punkt und der spielt meines Erachtens in der Medizin eine viel zu geringe Rolle. Die Frage der Prävention. Wie komme ich also dazu, nicht so viel oder so früh medizinische Versorgung in Anspruch nehmen zu müssen? Hier ist der vor-pflegerische Bereich also gefragt“. Ein weiterer Punkt zeige sich im Thüringen Monitor. Die Umfrage, die jährlich in Thüringen erhoben wird, zeige, dass lediglich sechs Prozent der Bevölkerung im Bundesland seinen Lebensabend im Altenheim verbringen möchte. Diese Botschaft sei also auch ein klarer Auftrag an die Politik. „Wir müssen auch Modelle wie »Mehr-Generationen-Häuser« auf dem Schirm haben“, so der Ralf Plötner im Gespräch mit Anja Müller.

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